Hilfe für Kinder, deren Mütter an Krebs erkrankt sind

Offene therapeutische Gruppe bietet Sieben- bis Zwölfjährigen Raum zum Spielen, Sprechen und Verstehen, dass sie in ihrer Lebenssituation nicht alleine sind // Pilotprojekt nimmt am 10. Dezember (Mittwoch) Arbeit auf

KREIS BERGSTRASSE | Dezember 2014 | Wenn bei einer Mutter Krebs diagnostiziert wird, verändert sich meist das Leben der gesamten Familie. Kinder reagieren sehr unterschiedlich auf die Situation. Oft fühlen sie sich ohnmächtig, hilflos. Einige haben gar das Gefühl, Schuld an der Erkrankung zu sein. Manche kapseln sich ab, andere werden auffallend agil, vielleicht sogar aggressiv, wieder andere leben nach außen scheinbar unberührt ihr Leben weiter. Oft lassen schulische Leistung nach. In Heppenheim wird nun mit einem Pilotprojekt Hilfe angeboten. Eine offene therapeutische Gruppe möchte Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren deren Mütter an Krebs erkrankt sind zusammenbringen. Die Mädchen und Jungens sollen erfahren, dass sie nicht alleine sind, dass es Kinder in gleichen Lebenssituationen gibt. Sie sollen zusammen spielen, basteln und sich austauschen.

Die Initiative zur Gründung der Gruppe ist von Müttern ausgegangen, die im Brustzentrum am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Behandlung waren und sich in einer Selbsthilfegruppe zusammengefunden haben. In der Leiterin des Zentrums, Dr. Ursula Hurst, Chefärztin der Gynäkologie des Krankenhauses, fanden sie eine Unterstützerin. Gemeinsam mit der Psychoonkologin Dr. Tonja Deister machte sie sich für die Verwirklichung des Projekts stark. Realisiert wird dieses gemeinsam vom Brustzentrums sowie der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz der Vitos-Klinik in Riedstadt. Geleitet wird die Gruppe von einer erfahrenen Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, Karolina Stolecka-Meinert. Sie gibt den Kindern Zeit und Raum Gefühle zu zeigen, die sie glauben, daheim nicht zeigen zu können oder nicht zeigen wollen und ermuntert sie, Fragen zu stellen. Das Ziel von Stolecka-Meinert ist es, Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln, eine feste Basis für ein weitgehend normales Leben trotz der besonderen familiären Situation zu schaffen. Die Kinder sollen eigene Ressourcen erkennen, Leichtigkeit und Lebendigkeit zurückgewinnen und sich neuen Herausforderungen stellen. Auch werden ihnen die Krankheit Krebs und die Therapiemöglichkeiten in einer Art und Weise nahe gebracht, mit der sie umgehen können und die ihnen zugleich im Umgang mit der familiären Situation hilft.

Die Gruppe arbeitet unabhängig von Krankenkasse, was den Zugang für Kinder erleichtert. Sie finanziert sich ausschließlich über Spenden. Unterstützung kommt vom Förderverein „Freunde des Kreiskrankenhauses Bergstraße“. Über ihn können Privatpersonen, Gruppierungen, Vereine und Firmen dem Projekt zweckgebundene Spenden zukommen lassen. Starthilfe haben auf diesem Weg der Landfrauenverein Pfalzbachtal und die Elterninitiative Krabbelkäfer Bürstadt gegeben. Nun hoffen die Verantwortlichen auf weitere Unterstützung, nur so kann die Gruppe dauerhaft am Leben gehalten werden. Wie wichtig es ist die Lücke in den Hilfsangeboten zu schließen, machte Karolina Stolecka-Meinert gemeinsam mit betroffenen Müttern und Vertretern des Brustzentrums sowie der Vitos-Klinik in diesen Tagen deutlich, als sie die Idee, die hinter der Gründung der Gruppe steht, vorstellten. Sie sprachen von der großen Unsicherheit, die die Kinder in ihrer aktuellen Lebenssituation spüren. Sie seien aber keinesfalls krank und sollten auch nicht krank geredet werden. Vielmehr seien viele der Symptome, die sie zeigten, in ihrer Situation normal. Ein Ansatz, den die betroffenen Mütter teilen. Auch sie wollen ihre eigenen Kinder und andere ermuntern, über ihre Situation zu reden, und sie sollen in der Gruppe lernen mit ihren Gefühlen und Wahrnehmungen umzugehen.

Die Gruppe trifft sich an jedem zweiten Mittwoch im Monat von 15 bis 16.30 Uhr im Kreiskrankenhaus Bergstraße. Sie ist offen, sodass jederzeit Kinder hinzukommen können. Um eine vorherige Anmeldung unter der Telefonnummer 06252-93333 (Vitos kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz Heppenheim) wird gebeten. Das erste Treffen ist am 10. Dezember.

Foto:  Thomas J. Zelinger

 

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